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Darstellende Kunst oder Natya ist nach altindischen Texten die Kunst des Kommunizierens, des Rüberbringens und des Vermittelns. Das Wort Abhinaya mit dem der Ausdrucksteil dieser Kunst bezeichnet wird, bedeutet soviel wie ‚etwas faßbar machen’. Durch Bewegung und Ausdrucksformen, die man in jeder Epoche stets mit neuen Erkenntnissen und Kreativität ergänzte, ist eine hohe Kunst entstanden, die mit den neuesten bewegungsanalytischen Methoden beschreiben und erlernen lässt. Der so beschriebene Tanz ist nicht eine kleine Kunst für die nächstbeste Feier. Er ist auch zugleich Tanztheater. Natya ist die Darstellung menschlicher Emotionen. Der Darsteller erlernt mit Hilfe präziser Technik, die Emotionen zu zeigen, und lernt letztendlich die Technik zu tranzsendieren, um Spontanität in dem Ausdruck zu bekommen. Augen, Gesichtsmuskeln, Gesten, die Darstellung entsprechender Charaktere und nicht zuletzt Inhalte der Erzählungen und Geschichten sollten diese Emotionen in dem Betrachter hervorrufen können. Identifizierbare alltägliche Erfahrungen und Handlungen sind genauso Gegenstand der Erzählung wie alte mythologische Geschichten und Göttergeschichten. Gesten im indischen Tanz und Tanztheater sind sowohl Ornamentierung einer Bewegung als auch erzählende Körpersprache.Sie sind vielseitig verwendbar und haben je nach Kontext eine andere Bedeutung. Mit Gesten stellen wir z.B. Gegenstände oder Handlungen dar. Dafür verwenden wir Gesten aus kulturellem, kognitivem, religiös-spirituellem wie auch künstlerisch äesthetischem Kontext. Es geht hier auch um das Entdecken und die Verfeinerung tiefer Bewegungsabläufe, die aus der Handhabung/Ausübung/Benutzung bestimmter Gesten hervorgehen. Bewegungsanalytische Faktoren wie Körperkraft, Zeitgefühl, Raumwahrnehmung oder Fluss sind für die Darstellung und Wahrnehmung von Gefühlen in der Geste ausschlaggebend. Damit eine präzis erlernte und verwendete Geste gleichzeitig Gedanken wie auch Gefühle zum Ausdruck bringen kann, wird in der Darstellenden Kunst Indiens ein weiterer Faktor eingesetzt. Nämlich die Betonung oder Verwendung einer Verbindung zwischen Händen und Augen. Ein Zitat aus dem ‚Abhinaya Darpana’ besagt: „Wohin die Hände gehen, folgen Augen. Wohin die Augen gehen, folgen Gedanken. Wohin Gedanken gehen, folgen Gefühle und dort wo Gefühle vorhanden sind, entsteht ‚Rasa.“, Rasa ist die Wahrnehmung einer tiefen wohltuenden Empfindung.


